Sonntag, 18. September 2011

Aloha


 
Ein Temperatur- und Kulturschock nach einer so intensiven Zeit in Alaska war mir sichergestellt. In meinen letzten 24h in Alaska habe ich endlich Mt McKinley gesehen! Ich war schon fast etwas traurig, dass ich zum letzten Mal getrampt bin, da es einfach wie am Schnürchen lief und ich sogar noch auf ein Bier eingeladen wurde =) Den letzten Abend habe ich ordentlich mit meinem Freund Jack gefeiert und nochmal Open Mike im Taproot genossen und barfuß zur Country Musik abgedänced! 

Keine 24 später saß ich dann auf der Veranda mit einem kühlen Aloha Bierchen und habe die Aussicht auf Waikiki genossen. Dann sind wir noch in eine Bar wo es jeden Montag Bier für $1.50 gibt =) Wir sind dann doch etwas länger geblieben als geplant. Ich habe schon lange nicht mehr so viel kurze Röcke und aufgebrezelte Chicas gesehen! 

Am nächsten Morgen hab ich mir dann den völlig überfüllten Waikiki Beach angeschaut und beschlossen das ich dort nicht glücklich werde und lieber an den Diamond Head Beach fahre und dort die Surfer näher betrachte ;) Irgendwie war mir nach all der Zeit in Alaska wirklich nicht nach Tourismus–pur zu Mute und deswegen habe ich mir ein winziges Moped gemietet und bin damit auf der Insel rumgecruised. Wie ich im Nachhinein erfahren habe, ist das wohl nicht üblich bis auf die andere Seite mit einem Moped zu fahren – Europäer sind wohl gewöhnlich nicht so risikofreudig. Das Ganze wurde dann noch damit gekrönt, dass ich kurz bevor ich meinen Rückweg angetreten habe, erfahren habe, dass die Hawaiianer gerne betrunken und bekifft fahren und hier quasi wöchentlich ein Fußgänger oder Mopedfahrer platt gemacht wird! Aber es ist ja Gott sei Dank nichts passiert.
Nach dem ich mein Zelt, Schlafsack auf dem Moped festgeschnallt hatte und nur das wichtigste in meinem Rucksack war, bin ich losgedüst. Mein erster Stopp war Hanauma Bay, was mir einfach von JEDEM

empfohlen wurde und ich daher quasi machen musste. Wär ich mal lieber nicht dahin gegangen, dass hätte mir viele schlaflose Nächte erspart! Zumal ich schon kurz davor weiter zufahren, da der ganze Spaß mich auch noch $7.50 gekostet hat. Hanauma Bay ist wirklich wunderschön und das Denken nun mal 1000 andere Touristen auch! Daher bin ich auf die andere Seite der Bucht wo nicht ganz so viele Menschen waren. Das Wasser war glasklar und das Riff mit all seinen Mitbewohnern war gut zu sehen. Dann saß ich da in der Sonne rum und hab mich mit zwei Typen von der Army unterhalten als plötzlich ein Typ im Wasser „Help“ geschrien hat und versucht hat eine Frau aus dem Wasser zu ziehen. Pflichtbewusst wie ich bin, bin ich aufgesprungen und hab dem Typ geholfen die Frau an Land zu ziehen. Die 2 Typen von der Army standen da wie angewurzelt. Der andere Typ hat sich dann schnell verkrümelt und das nächste was ich gemacht hab war Herz-Druck-Massage. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich jemals sowas gesehen habe. Nachdem ich angefangen zu pumpen ist Wasser aus ihrer Nase und Mund gequollen. Ich habe dann in ihr Gesicht geschaut um zu wissen, ob sie in irgend einer Art und Weise reagiert. Aber außer Wasser, Säure und Muskelzucken war da nichts. Ich hatte dann einen kurzen Moment wo ich innerlich am durchdrehen war und etwas Panik gekriegt habe. Aber irgendwie ist mir dieses doofe Lied vom 1.Hilfe Kurs in den Sinn gekommen (Raindrops keep falling on my head), dass ich dann munter im Kopf gesungen habe und Gott sei Dank hat mich das beruhigt. Dann kam so ein Mädchen daher und hat mich gefragt, ob ich den Puls überprüft habe! Ich hab nur den Kopf geschüttelt, da die Frau weiße Lippen hatte, Finger und Beine schon violett waren und sie einfach aufgequollen war wie ein Hefekloß. Wo soll da bitte ein Puls herkommen? -.- Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen dann auch mal die Rettungsschwimmer von der anderen Seite der Bucht angejoggt. Die haben dann ziemlich hektisch reagiert und wussten nicht so recht wie sie mit dem Zeug umgehen sollten, dass sie in ihrem Koffer hatten. Nachdem ich dann mal endlich von einem der Rettungsschwimmer abgelöst wurde, bin ich erstmal weg vom Geschehen und mir sind die Tränen runter gekullert. Es war dann doch etwas zu viel. Ich bin dann auch an einen anderen Strand gefahren wo kaum jemand war außer mir. Der Tag war dann auch gegessen. Nachdem ich endlich ein Zeltplatz an einem verlassenen Strand gefunden habe, bin ich um 8Uhr schlafen gegangen, da es stock finster war. Mitten in der Nacht bin ich dann schluchzend mit all den Bildern vom Tag aufgewacht und lag dann auch den Rest der Nacht wach. GANZ TOLL! Naja wenigstens habe ich dadurch einen wohl überragenden Sonnenaufgang gesehen. 

Ich muss sagen, dass die Nordseite der Insel viiiieel schöner ist. Das ist schon eher das Hawaii dass man sich vorstellt, wenn man sowas bucht. Ich hatte dann Glück und ein Couchsurfer hat mich last minute aufgenommen. Ich habe dann direkt am Sunset Beach gewohnt. Das ist DER Strand an dem im Winter die hohen Wellen reinkommen und dann die Meisterschaften mit den Pipelines ausgetragen werden. In seinem Haus sind überall Boards und das Holz hat den Pottgeruch schon aufs maximale absorbiert.
Freunde von meinem Host in Hawaii die ab und zu vorbei geschaut haben
Ich habe dann draußen  auf einem Sofa mit Moskitonetz geschlafen mit Blick aufs Meer.
Das war jetzt nicht wirklich schlimm! Zufälligerweise ist er auch mit vielen der weltbesten Surfer befreundet die ab und zu zum kiffen und jamen vorbeikommen sind. War schon echt krass! Ich bin dann auch mal surfen gegangen. Ist gar nicht so einfach, aber ich mache doch eine ganz gute Figur auf dem Brett ;) und auch mit dem Board :D

Morgens gab es dann frisch gepflückte Papaya, Passionsfrucht, Orangen…vom Baum, da alles direkt 30sec von meinem Schlafplatz wächst und ich mich frei bedienen durfte. Ich habe in meinem Leben noch nie so leckere Früchte gegessen und mein Magen war auch etwas überrascht. Ich bin dann dort noch ein bisschen mit meinem Moped rumgecruist und habe die Strände erkundet, den Surfern zugeschaut und meine Bräune etwas gepflegt bevor ich dann wieder runter nach Honolulu gerast bin. 


Dort habe ich dann direkt in Waikiki im 30. Stock gewohnt! Was jetzt nicht unbedingt schlecht war. Da konnte man das eine oder andere Feuerwerk sehr gut sehen. Wir haben dann eine „Bad Movie Night“ gemacht und ich werde das definitiv in Deutschland wiederholen, da ich mich Abstand noch nie so etwas schlechtes gesehen habe und ich diese Erfahrung unbedingt teilen möchte. Abends sind wir dann in ein paar Clubs! Leider konnte ich Samstagabends nicht so viel trinken, da ich am nächsten Tag aus dem Flugzeug gesprungen bin! Ich war schon davor ultra aufgeregt. Es ist wirklich ein Wahnsinnsgefühl, wenn man den Kontakt zum Flugzeug verliert und danach ist es einfach nur noch geil! Also ich kann es definitiv weiter empfehlen! =)




Am Abflugtag war ich dann noch etwas wandern. Da Hawaii und Washington die einzigen Staaten mit Regenwald sind, sollte man das ja auch nutzen, wenn man dort ist. Und es ist wirklich wunderschön. Leider waren nur viel zu viele Leute dort unterwegs (Labor Day) und daher war der Wasserfall viel zu überfüllt. Ich habe dann etwas gezögert darunter zu springen. Es waren zwar nur ein paar Meter, aber es ist doch ein Unterschied ob man selber abspringen muss oder jemand einen quasi raus stößt. Letztendlich war es halb so schlimm und ich bin dann auch ein paar Mal gesprungen und immer etwas höher geklettert. Leider kann mich ja nicht erkennen wo man genau reinspringt und daher kann man nur hoffen, dass da unten keine Steine sind!
Meine Woche auf Hawaii war dann doch sehr erlebnisreich, leider war ich nicht immer ein Sonnenschein, da mich das Unglück doch die ganze Zeit Tags- und Nachtsüber begleitet hat, aber so was gehört halt dazu. Und solche Dinge passieren wohl, wenn man sie am wenigsten erwartet und jetzt weiß ich auch, dass die ganzen 1. Hilfe Kurse was gebracht haben! Wenn man Hawaii als Hawaii erleben möchte, muss man wirklich hoch in den Norden oder Westen. Im Süden (Honolulu) gibt es einfach zu viele Obdachlose – es wird halt nicht kalt! Allerdings ist das Inselleben doch ziemlich langweilig und die Leute trinken, kiffen, surfen einfach ein bisschen zu viel und viel mehr kann man dann neben der Arbeit dort auch nicht machen. Die Hawaiianer sind freundlich, aber sind Touristen gegenüber nicht immer aufgeschlossen, da sie sie als Eindringlinge wahrnehmen und das einen auch verbal spüren lassen. Und die meisten sind Ihr Leben lang nicht von der Insel runtergekommen, was wirklich unverständlich sind, da die Flüge nach Alaska Spott billig sind! ;D Falls ich noch einmal die Chance habe nach Hawaii zu gehen, dann wird es auf jeden Fall Molokaʻi oder Big Island. Mietet euch ein Moped und los geht’s…

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen