Nach einer Nacht in Invercagill bin ich nach Milford getrampt, um dort die atemberaubende Fjordlandschaft zu sehen. Milford an sich ist ein verschlafenes kleines Örtchen, dass nur von seiner Landschaft lebt. In Queenstown habe ich mit einem Kumpel von meinem Couchsurfer geredet, der auf einem Schiff im Milford Sound arbeitet und er hatte mir angeboten, wenn ich vorbei kommen sollte, dann kann er mich umsonst auf das Schiff mitnehmen. Sowas muss man mir natürlich nicht zweimal sagen, aber Leute reden ja bekanntlich gerne und setzen ihre Versprechen nicht in die Tat um. Zwei Italiener haben mich dann bis nach Milford mitgenommen und letztendlich hab ich auch umsonst aufs Boot gekonnt. Milford ist der niederschlagreichste Ort in Neuseeland. Als ich dort war, war keine Wolke am Himmel und ich habe ziemlich rote Backen bekommen. Da ich auf der letzten Fahrt des Tages war, waren nur 20Passagiere anwesend (vorher 300, hauptsächlich Asiaten) und das Essen gabs deshalb auch noch umsonst. An diesem Tag war das Glück mal wieder auf meiner Seite. Ich habe dann noch bei Kamil und den ganzen Leuten die dort arbeiten in den Unterkünften schlafen können. Da der Tag einfach überragend sonnig war und kaum Sandfliegen unterwegs waren, haben wir draußen zwischen den riesigen Bergen auf einem rustikalen Geröllplatz Rugby und Fußball gespielt. Es tat unglaublich gut sich mal wieder sportlich zu betätigen, aber unglaublich wie schnell man abbaut. Danach haben mich die ganzen Leute mit zu den Casm genommen. Hier rauscht ein riesen Wasserfall runter
, der das Gestein ausgewaschen hat und sich durch das Labyrinth von Löchern arbeitet. Am Ende wird das Wasser in einen riesen glasklaren Pool aufgefangen. An der Seite ist ein Strick an dem man hoch klettern kann und dann von etwa 7m in den Pool springen kann. Das Wasser ist dermaßen kalt, dass man nicht länger wie 1Min da drinnen aushält. Das hat mich auch lange davon abgehalten dort reinzuspringen. Nachdem ich mir lange gut zugeredet habe, bin ich hoch geklettert und da stand ich nun. Wenn man dort steht sieht man nämlich, dass da einige große Felsen im Wasser sind über die man mit einem Schritt Anlauf drüber springen muss. Hört sich leichter an als getan. Nach 5Min konstanten Starren nach unten und Stoßgebeten bin ich mit einem riesen Sprung und einem kleine Schrei gesprungen. Ich weiß nicht was schlimmer war, der Absprung oder der Aufprall ins eiskalte Wasser. Es hat keine 10 Sekunden gedauert und ich war draußen.
Am nächsten Morgen bin ich dann nach Te Anau getrampt und habe dort eine Nach verbracht. Ich bin dort an einem Tag ca 35km gewandert. Ziemlich bescheuert so im nach hinein, aber es war es wirklich wert. Bin auf einem 1800m hohen Berg gelaufen. Über 2h ging stramm bergauf, da ich ja quasi nur Wasser und ein bisschen was zu Essen dabei hatte, habe ich die meisten Wanderer die für mehrere Tage unterwegs waren
überholt. Ziemlich taff der erste Tag und ich war froh, dass ich zur Abwechslung nur ein paar Kilo auf dem Rücken hatte. Die Aussicht, wenn man endlich aus dem langen Waldstück rausgekommen ist, war bombastisch! Darauf hätte ich wirklich nicht verzichten wollen. Da ich quasi halb um den Berg rumgelaufen bin, konnte ich fast alle Himmelsrichtungen sehen, mit Lake Te Anau der sich weit über das Land ausstreckt. Dann musste man noch über Schnee laufen und der Wind hat einen auch fast weggeblasen. Das Nervigste war wohl, dass ich alles wieder zurück laufen musste. Aber bergab geht’s ja Gott sei Dank schnell und ich habe dann den Rest bis zum Hostel auch glücklicherweise eine Mitfahrgelegenheit gekriegt. Obwohl es schon relativ spät war, wollte ich trotzdem wieder zurück nach Queenstown, um dort nochmal 2 Nächte zu haben.
Da stand ich nun in Te Anau und habe versucht eine Mitfahrgelegenheit zu kriegen, aber mich wollte partout für eine Stunde keiner mitnehmen! Letztendlich hats doch geklappt und das erste was ich gemacht habe, als ich zurück war ich habe mich bei Fergburger absetzen lassen und mir erst einmal einen riesen Burger gegönnt! Schließlich habe ich ja den ganzen Tag über Kalorien wie eine Blöde verbrannt. Ach, ich hatte wohl den abgefahrensten Typen der mich mitgenommen hat. Ein Pastor, der seinen Beruf folgendermaßen beschrieben hat: „I’m a professional Lover, not i physical way tough.“ Nachdem ich meine übliche Geschichte erzählt habe, über mich und meine Reise, hat er gefragt ob es für mich beten kann. Da ich mich ja wirklich nicht beschweren kann im Moment, habe ich verneint. Er hat aber nicht locker gelassen, und hat gefragt ob mir irgendwas weh tut. Nach 35km tut so einiges weh! Schließlich hab ich mich dann überreden lassen, dass er für mich beten darf. Man will ja nicht unhöflich sein, wenn die Leute einen schon umsonst durch die Gegend fahren. Jedenfalls hat er mich dann an der Schulter angefasst und laut angefangen zu beten. Ich bin ja nun wirklich nicht gläubig, aber ich habe mich danach um einiges besser und leichter gefühlt. Klingt seltsam ich weiß, aber dieser Pastor hatte eine ganze starke Energie und es hat sich so angefühlt, als würde sich etwas davon auf mich übertragen. Bekanntlich passieren ja die seltsamsten, witzigsten, besten und vor allem unvorhersehbaren Dingen wenn man durch die Gegend trampt.
Viel neues gab es nach Kaikoura nicht zu sehen. Es ging dann mit dem Bus zurück nach Auckland. Das einzige was ich ja leider nicht machen konnte auf dem Weg in den Süden war das Tongariro Crossing. Das habe ich dann endlich bei meinem zweiten Besuch in Taupo in Angriff genommen. Leider war nur an einem von drei Tagen gutes Wetter. Und den ersten Tag habe ich damit verbracht zum Start zu trampen und damit leider nicht das Tongariro Crossing zu bewältigen. Ein Grund mehr um nach Neuseeland zurück zu gehen.
Damit war dann meine Zeit in NZ auch rum, es war einfach unbeschreiblich schön, ich würde es definitiv nicht missen wollen. Es waren überwiegend schöne Momente, natürlich habe ich mich ab und zu einsam gefühlt, aber das gehört eben zum Reisend dazu. Ein paar neue Freunde habe ich auch gewonnen die ich hoffentlich in Australien noch einmal sehen werde. Neuseeland darf mich mit ziemlich großer Sicherheit noch einmal Willkommen heißen.
Da die letzten Wochen das Wetter ja nicht so Bombe war, gönne ich mir über Weihnachten eine Auszeit auf Samoa!
Cheers
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