Samstag, 11. August 2012

Nanny in Sydney


Früher oder später musste es ja passieren! Der Geldbeutel ist leer und ich bin auf der anderen Seite der Welt. Da man in Australien ab $1 Einkommen 30% Steuern zahlen darf, habe ich mich nach Cash in hand Jobs umgeschaut. Da der Wohnungsmarkt in Sydney unbezahlbar ist, kann ein Nanny Job mit Unterkunft inklusive Essen und Internet sehr entgegen kommend sein.
Glücklicherweise hat es auch nur 3h gedauert und ich hatte die „perfekte“ Familie gefunden. Mittwoch Bewerbung geschickt, Zusage bekommen, Zug gebucht und 4 Tage später war ich dann auch schon in Sydney und habe meine Koffer ausgepackt. Die Familie ist sehr wohlhabend! Ich lebe im reichsten Viertel in Sydney. Leider ein bisschen zu weit außerhalb vom Stadtzentrum, dafür 2min weg von einem der vielen Nationalparks. Es müssen nun mal Abstriche gemacht werden.
Die ersten 3 Wochen waren unglaublich schlauchend! Ich war so fertig jeden Tag vom spielen, Essen machen und ein bisschen Haushalt. Besonders in der Anfangszeit will man ja einen guten Eindruck machen und da geb ich mir sogar ein bisschen mehr Mühe. Die Buben sind zuckersüß und haben mich auch schnell ins Herz geschlossen. So, was mache ich so den ganzen Tag: Morgens um 7 geht’s los. Frühstück für mich und die Jungs machen. Zähne putzen und Anziehen. Entweder geht’s dann auf den Spielplatz, in den National Park oder wir treffen uns mit anderen Kindern zum spielen. Um 11 gibt’s Mittagessen und danach ist Mittagsschlaf angesagt. Meine Lieblingszeit. Während die Kids schlafen bügel ich oder Staubsauge. Danach hab ich dann Zeit für mich bis die Jungs aufwachen. Nachmittags wird dann gespielt. Um 17Uhr wird dann spätestens zu Abend gegessen. Danach geht’s in die Wanne und dann werden noch Bücher vorgelesen bis die Eltern dann frühestens um 18.30Uhr zur Türe reinschneien. JA genau, die Eltern sehen ihre Kinder kaum! Armen Dinger! Schon sehr traurig. Da kann man sich wirklich glücklich schätzen, dass die eigenen Eltern einen Morgens aus dem Bettchen holten, zusammen mit einem gefrühstückt haben und einen aus dem Kindergarten abgeholt haben.
Nach 1 Monat war ich auch viel besser an den Tagesablauf gewöhnt und hatte abends wieder mehr Kraft irgendwas zu machen. Nach einiger Zeit kann man es wirklich mehr „genießen“ und ist nicht mehr ständig damit beschäftigt verängstigt nach zwei kleinen Jungs Ausschau zu halten. Gegen Ende wurde es immer entspannter. Ich habe mich immer mehr mit Müttern zum Spielen verabredet. Quasi nach dem Motto: Lass die Kinder spielen, esse Kuchen und werde dafür bezahlt. So habe ich mir das vorgestellt. Ein paar Mal war ich mit den Jungs in „Wizzy World“, ein riesiger Indoor Spielplatz mit Jumping Castle, mehreren echt coolen Rutschen, den verschiedensten Klettermöglichkeiten, Ballspielplat usw. Da hat man selbst als Erwachsene seinen Spaß! Auch wenn es manchmal etwas eng ist und man sich durchquetschen muss.
Wir waren auch im Zoo, was wirklich aufregend ist mit den Kleinen, weil die gar nicht genug von den Tieren bekommen können. Harry ist ein paar Mal voll mit dem Kopf gegen die Glasscheiben gescheppert! Ich hab mich tot gelacht. Das Gute an solchen Tagen ist, dass die Kinder völlig erschöpft ins Bett fallen. Und auch einen langen Mittagsschlaf haben.
Gegen Ende, muss ich gestehen bin ich immer gemütlicher geworden und habe alles etwas mehr schleifen lassen. Bin ständig auf den Spielplatz gegangen wo die Jungs rumgerannt sind im Busch und ich nur mit den Eltern geschnackt habe. Letztendlich sind es nicht meine Kinder und man wird nunmal etwas faul. Wer wird
 das nicht?!
Der Abschied war wirklich hart und traurig. Wir alle hatten Tränen in den Augen. Es gab unglaublich viele Küsse und Umarmungen von Harry und Charlie und ich werde sie unendlich vermissen.
Ab nun heißt es wieder REISEN REISEN REISEN!  Jeden Morgen aufwachen und schauen was der Tag so bringt. Der grobe Plan ist nach Norden zu reisen, wie, mit wem und bis wo ist bisher noch völlig unbekannt. Es ist also mal wieder alles möglich. Der Abflugtermin aus Sydney steht allerdings und wird auch (hoffentlich) nicht mehr geändert.

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